Welt - Historie / Bootsfahrt

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Der folgende Artikel wurde dem Buch "400 Jahre Stadt Garding" entnommen.
(Verlag: H.Lühr & Dircks , 1990  /  ISBN 3-921416-51-5)

Bau der Bootfahrten

 Wie hätten sich die Menschen ihren wirtschaftlichen Fortschritt ohne entsprechende Transportwege zunutze machen sollen? In den Jahrhunderten vor 1600 lebten die Bauern hauptsächlich von der Weidemast, an deren Überschuss sich auch die Wikinger interessiert zeigten
Im 16.- und 17. Jahrhundert veränderte sich die Landwirtschaft derart, dass vermehrter Export der gewonnenen Güter nötig wurde. Erstmals entstand neben der Weidemast eine ausgeprägte Milchwirtschaft, insbesondere die Produktion von Käse. Ab 1615 betrieben die Eiderstedter, Everschoper und Utholmer auch Ackerbau.
Wenn der Export auf Tönning konzentriert war, hatte doch auch Garding als Handelszentrum eine große Bedeutung, so dass die herzogliche Verwaltung einen Kanal zur Eider planen ließ. Von Garding aus sollten in den folgenden Jahren u. a. Käse, Häute und Speck verschifft werden.
Ein Kanalbau konnte auch den Warenimport fördern. Einführen mussten die Gardinger wie alle Marschbewohner ihr Bauholz, denn in der Marsch wachsen bis heute nur sehr wenig Bäume. Es gibt keine Holzwirtschaft.
Über die Entstehung der Bootfahrten schreibt Rudolph Koop: »Die Verbindungswege des ausgehenden Mittelalters waren in der Marsch die Wasserstraßen. Nicht umsonst haben die holländischen Marschen ihr weitverzweigtes Netz von Kanälen. Und die Verkehrsknotenpunkte verfügten damals statt eines Güterbahnhofs mit zahlreichen Rangiergeleisen über ein Netz von Wasseradern, an denen die Speicher lagen. Darum hat Hamburg sein verwickeltes System von Fleten, darum auch war gerade Venedig trotz seiner Lage am äußersten Ende eines Meerbusens, also nach heutigen Begriffen verkehrsfern, die größte Handelsstadt des Mittelmeeres.
Die natürlichen Wasserwege aber waren einer nach dem anderen der Bedeichung zum Opfer gefallen. Der Plan der Holländer war daher, Eiderstedt nach holländischem Muster zu einer von Kanälen durchschnittenen Marsch und Tönning dementsprechend zu einem mit Fleten oder Grachten versehenen Umschlaghafen zu machen.
Abgesehen davon, dass zu dieser Zeit viele Wasserbauingenieure im Westen des Herzogtums Schleswig arbeiteten und im 17.Jahrhundert schwierige Deichbauprojekte förderten, hätten die hiesigen Kanäle nicht ohne eine besonderte technische Neuerung entstehen können, nämlich die Schubkarre.
Besondere Bedeutung gewann die Methode des Johann Clausen Kloet, mit Spitznamen >Rollwagen< genannt, der bei dem Bau der Deiche statt der schwerfälligen Störten (dreirädrige, von Pferden gezogener Karren = Sturzkarren) einräderige Schubkarren verwandte. Dadurch konnte man das Material leichter zum Bauplatz bringen. Man blieb dabei nicht, wie mit den großen Pferdewagen, im unwegsamen matschigen Gelände stecken. »Rollwagen« führte den Bau durch.
Die für Garding bedeutenden Kanäle, man nannte sie Bootfahrten, wurden auf Initiative der Holländer und Kaspar Hoyers geplant. Sein Sohn Hermann Hoyer (1594—1622) führte das Werk zu Ende. 1613 wurde die Süderbootfahrt von Garding nach Katingsiel fertiggestellt.
Jetzt war Garding Hafenstadt. Der Gardinger Hafen lag in der Nähe des heutigen TUV‘s. Noch heute heißt dieser Ort Hafenplatz. Neben ihrem Nutzen als Kanal hatte die Süderbootfahrt  -wie die übrigen Bootfahrten auch- eine große Bedeutung für die Entwässerung. 1615 war die Norderbootfahrt von Tetenbüll nach Tönning fertiggestellt.
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Lohn der Arbeit
Die Baukosten betrugen für die Süderbootfahrt 12.700 Mark und für die Norderbootfahrt 19.500 Mark. Zum Vergleich: Um das Jahr 1600 kostete ein Doppelzentner Weizen 7,5 Mark, ein Mastochse 14 Mark, eine Kuh 15 Mark und ein Doppelzentner Butter 31 Mark.
Jeder, der sich überlegt, wie viele Arbeitskräfte an den Kanalbauten mitgewirkt haben, wird feststellen müssen, dass der wirtschaftliche Fortschritt durch die Ausbeutung dieser Menschen möglich wurde. Bei den geringen Baukosten kann der einzelne nicht viel Lohn für seine Strapazen bekommen haben.
Immerhin betrug die Länge der Süderbootfahrt 6,5 km. Hinzu kam neben anderen kleineren Kanalbauten die Norderbootfahrt. Es müssen demnach sehr viele Arbeiter mit dem Kanalbau beschäftigt gewesen sein.
Die Bootfahrten wurden natürlich von Hand gegraben, die Erde mit den Rollwagenkarren abtransportiert, bei jedem Wetter und womöglich zu jeder Jahreszeit. Wie so oft, erzählen die Quellen in Archiven, Zeitschriften und Büchern von diesen Menschen, die den Fortschritt tatsächlich erarbeiteten, recht wenig.


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